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Schornstein: Kein Feuer ohne Abgasanlage

17.12.2015

Schornsteine haben es nicht leicht: Nicht nur der häufige Wechsel zwischen Hitze und Kälte macht ihnen zu schaffen, auch die chemischen Bestandteile im Abgas (namentlich saures Kondensat) nagen am Material, einfallender Regen tut ein Übriges. Bei klassisch gemauerten Schornsteinen im Altbau führte dies nach einigen Jahren bis Jahrzehnten regelmäßig zur Durchsottung, es bildeten sich die typischen braunen Flecken, die Tapeten, Wandputze und Anstriche immer wieder unansehnlich machten. Solche Schornsteine müssen vor einer Wiederinbetriebnahme fachgerecht (zum Beispiel mit einem geeigneten eingezogenen Rohr) saniert werden. Eine ordnungsgemäße Bemessung erstellt der Schornsteinsanierungsfachbetrieb oder der zuständige Bezirksschornsteinfegermeister.

Wenn im Innenbereich nichts mehr geht, sind doppelwandige Edelstahl-Außenschornsteine, die vor der Fassade befestigt werden, hilfreiche Problemlöser. SchiedelSie kennen die Möglichkeiten und berechnen mit einem speziellen Programm, unter Berücksichtigung aller Parameter, den korrekten Querschnitt und die Art der neuen Abgasanlage. Wer sich im Vorfeld eine herstellerunabhängige Meinung einholen will, erhält beim zuständigen Bezirksschornsteinfegermeister eine kompetente Beratung. Er kennt die Gebäudesituation, die Rahmenbedingungen und ist auf dem neuesten Stand in Sachen Heiz- und Schornsteintechnik. Der „Schwarze Mann“ muss auch aus formalrechtlichen Gründen (Inbetriebnahme) auf jeden Fall kontaktiert werden, bevor die Maßnahme umgesetzt wird.

Die üblichsten Materialien im modernen Schornsteinbau sind Edelstahl und Schamotte oder keramische Rohre für die eigentliche Abgasführung. Keramik hat sich in der Abgastechnik seit Jahrzehnten bestens bewährt, denn sie verkraftet hohe Temperaturwechsel, ist resistent gegen die Schadstoffe im Abgas beziehungsweise im Kondensat und lässt sich für alle Brennstoffarten und Feuerstätten einsetzen. Die Rohre der neuesten Generation sind feuchtedicht, passgenau und langlebig. Als Material für den Mantel von innen geführten Element-Schornsteinsystemen wird in der Regel Kalziumsilikat, Leichtbeton oder Vermiculit verwendet.

Auch die stilistischen Möglichkeiten sind vielfältig. Beispielsweise die Alternativen zum Edelstahl beim Mantel metallischer Außenschornsteine. Das kann Kupfer sein, aber auch farbige oder strukturierte Außenverkleidungen doppelwandiger Schornsteinrohre. Bei Innenschornsteinen gibt es ebenfalls unterschiedliche Varianten. Der Schacht kann, wie oben bereits erwähnt, unter anderem aus Leichtbeton, aber auch aus Vermiculit oder ähnlichen feuerfesten Materialien bestehen. Besondere Element-Schornsteinsysteme zur Nachrüstung im Innenbereich können sich als innenarchitektonisch/räumliche „Problemlöser“ erweisen. So gibt es auf dem Markt einen Dreiecksschornstein in Elementbauweise, der die Platzierung einer Feuerstätte in einer Zimmerecke ermöglicht.

Nachrüstung mit Augenmaß

Die innovativen „Edelkeramik-Premiumschornsteine“ besitzen alle Vorteile der Standardschornsteine. Darüber hinaus versorgen sie die angeschlossenen Feuerstätten raumluftunabhängig mit Frischluft von außen. Sie bieten die Voraussetzung für ein optimales Raumklima und für ein Maximum an Energieeinsparung. ErlusDie für die Nachrüstung so beliebten Edelstahl- Außenschornsteine wirken speziell bei Altbauten manchmal wie ein Fremdkörper, der die Harmonie einer stimmigen Fassadengestaltung empfindlich beeinträchtigen kann. Edelstahl-Abgaszüge zur Außenmontage sind zwar meist die billigste Lösung, die darüber hinaus am einfachsten, am schnellsten und am schmutzärmsten zu installieren ist. Sie sind deshalb aber nicht immer die optisch vorteilhafteste Möglichkeit. Während sich deshalb für Altbauten oft ein nachzurüstender Innenschornstein empfiehlt, passen die silbern glänzenden Rohre bei Neubauten oft sogar besonders gut zur modernen Architektursprache.

Wichtig sind die funktionalen Aspekte, wie die Möglichkeit, raumluftunabhängig zu betreibende Feuerstätten über einen gesonderten Kanal oder den Ringspalt um das Innenrohr mit Zuluft zu versorgen, aber auch den möglichen Nutzen eines zusätzlichen Schornsteinkanals, beispielsweise als Installationsschacht für Vor- und Rücklaufleitungen einer solarthermischen Anlage auf dem Dach.

Die Auswahl des Schornsteinmaterials und dessen Ausführung hängen nicht zuletzt vom Brennstoff ab. Nicht alle Schornsteine, die für die Verwendung von Scheitholz-Feuerstätten geeignet sind, dürfen mit Pelletöfen genutzt werden.

Im Altbau ist Bestandsaufnahme erforderlich: Soll der alte Kamin mit einer neuen Innenverrohrung ausgestattet werden, ist einiges im Vorfeld zu prüfen, um bei der Montage kein böses Erwachen zu erleben. Am Fuß des Schornsteins, in der Regel im Keller, wird durch einen Blick in die Reinigungstür der Querschnitt und das Innenleben sowie der allgemeine Zustand (zum Beispiel Glanzrußbildung) festgehalten. Der Verlauf des Schornsteins durch das Haus wird in jedem Geschoss geprüft, um Verzüge oder Beschädigungen der Bausubstanz festzustellen. Besonderes Augenmerk bekommt der Schornstein im sogenannten Kaltbereich: Dachgeschoss und Schornsteinkopf. Letzterer muss in jedem Falle auf Standfestigkeit geprüft werden und darauf, ob die Säuren in den Abgasen sowie die Witterungseinflüsse Schäden hinterlassen haben.

Sicherheit über den tatsächlichen Zustand des Kamins gibt eine abschließende Kamerabesichtigung von oben durch den Schacht. Jeder Anschluss, jeder Verzug wird aufgedeckt und auch unvorhergesehene Schwierigkeiten wie herausstehende Ziegelsteine können so rechtzeitig erkannt und berücksichtigt werden. Anschließend wird der Schacht genau vermessen, dann wird im Keller der Schornstein geöffnet und die Sockelelemente der neuen Abgasführung bis zur Höhe des Rauchrohranschlusses der neuen Heizung montiert.

Alles Weitere erfolgt ab jetzt vom Dach aus: Sanierungssysteme werden von der Schornsteinmündung in den Kaminschacht abgelassen. Edelstahlsysteme können aufgrund ihres geringen Gewichts problemlos mit einem Seil gesichert und heruntergeführt werden. Sobald ein Rohr die Mündung passiert hat, wird das nächste Element aufgesteckt und so weiter. Keramik hat ein höheres Eigengewicht. Die Montage ist bei diesem Werkstoff zwar nicht schwieriger, aber etwas zeitaufwendiger.

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