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Ofen ist nicht gleich Ofen

22.10.2015

Grundofen modern gestaltet – auch hier ist der Blick auf das Feuer möglich. Gutbrod

Heizen mit Holz ist nach wie vor eine emotionale Angelegenheit. Aber auch unter ökologischen und energetischen Aspekten ist eine Holzheizung eine sinnvolle Alternative fürs Einfamilienhaus. Neben der Heizzentrale im Keller sind vor allem wohnrauminstallierte Anlagen oder frei aufgestellte Feuerstätten beliebt, da sie den Vorzug des Feuererlebnisses bieten und die Wärme hautnah erzeugen und in den Raum bringen. Doch aufgrund der Vielfalt an Varianten, Bauarten oder Modellen ist es für den Laien oft schwer, die richtige Wahl zu treffen. Unser Beitrag hilft Ihnen, die Unterschiede besser kennenzulernen.

Klassiker unter den Öfen ist der Grundofen. Hier handelt es sich um eine Ofenanlage, die vorwiegend aus keramischen Materialien (Schamotte) vor Ort gefertigt wird. Er heißt deshalb Grundofen, weil sein Brennraum keinen Feuerrost aufweist, das Holz also von Grund auf verbrennt. Und das sogar im Idealfall mit sehr wenig Asche. Der gemauerte Feuerraum und der gesamte Baukörper der keramischen Rauchgaszüge werden traditionell mit Kacheln verkleidet (Bezeichnung „Kachelofen“) oder heutzutage gerne auch nur schlicht verputzt.

Die Wärmeabgabe erfolgt hauptsächlich über die Außenflächen. Denn der Ofen zeichnet sich durch ein hohes Speichervermögen aus. Die Schamottesteine nehmen die Energie aus den Heizgasen auf, speichern sie und geben sie zeitverzögert und gleichmäßig in den Raum ab – zum überwiegenden Teil als Strahlungswärme. Variationsmöglichkeiten in der Wärmespeicherfähigkeit und Aufheizzeit ergeben sich dann aus der Dicke der Schamotte – beziehungsweise der Kachelwände.

Dabei ergeben geringe Wandstärken eine kurze Aufheizzeit sowie eine geringe Wärmespeicherfähigkeit bei hohen Oberflächentemperaturen (zirka 100 Grad Celsius). Dickwandige Ummauerungen bewirken eine lange Aufheizzeit bis zur vollen Wärmeabgabe, eine intensive Speicherfähigkeit und relativ geringe Oberflächentemperaturen (zirka 60 bis 70 Grad Celsius). Der Grundofen braucht zwar länger bis er reagiert, bleibt dafür aber Stunden warm.

Hier können Sie sich die Kurz-Beschreibungen der verschiedenen Ofenarten als PDF herunterladen >>

Warmluftofen

Im Unterschied zum Grundofen erzeugt der Warmluftofen Wärme über die Raumluft, die als unmittelbarer Wärmeträger genutzt wird. Je nach Ausführung vari­iert die sogenannte Konvektionswärme von etwa 60 bis 70 Prozent, sodass für die Strahlungswärme 30 bis 40 Prozent bleiben. Der Ofen besteht aus einem Heizeinsatz und einem Nachheizkasten aus Stahlblech oder Gusseisen, auch keramische Nachheizflächen werden eingesetzt. Diese erhöhen den Strahlungsanteil und die Dauer der Wärmeabgabe.

Unter dem Ofensockel tritt Raumluft zwischen Heizeinsatz und Ofenwände ein, erwärmt sich an dem heißen Heizeinsatz und/oder am Nachheizkasten, steigt dann empor und tritt über die weiter oben eingebauten Auslassgitter wieder aus. Bei dieser Ofenart ist die Wärme sehr schnell spürbar, die Wärmespeicherung über längere Zeit – wie beim Grundofen – aber eher gering.

In diesem Warmluftofen sorgt die Brennzelle „NovaF-Air“ dafür, dass Holz ökonomisch und effizient verbrannt wird. Spartherm

Hypokauste

Eine andere Form stellt die Hypokauste dar. Hier verbinden sich die Vorzüge des Warmluftofens und des Grundofens miteinander. Kern einer solchen Anlage ist ein doppelschaliger Ofen mit Heizeinsatz und Nachheizkasten. Die sich im Heizeinsatz erwärmende Luft strömt nach oben und gibt die absorbierte Energie im Hypokaustensystem an die Außenhaut ab. Dadurch abgekühlt sinkt die Luft nach unten und strömt wieder zum Heizeinsatz zurück. Der ganze Vorgang spielt sich in einem geschlossenen System ab.

Die Hypokaustenheizung sollte aber auf jeden Fall wegen ihrer aufwendigen Bauweise bereits bei der Gebäudeplanung berücksichtigt werden.

Überschlagofen

Überschlagöfen sind eine recht traditionelle und auch aufwendige Sonderform im Kachelofenbau. Diese Öfen werden an einem Lattengestell in der Töpferwerkstatt des Kachelherstellers modelliert. Wenn der Ton lederhart ist, wird die Fläche in einzelne Kacheln geschnitten, die dann gebrannt und danach vom Ofenbauer beim Kunden zu Hause zu einem Kachelofen zusammengesetzt werden.

Heizkamin

Unter einem Heizkamin versteht man eine ebenfalls vor Ort errichtete, fest mit dem Gebäude verbundene Feuerstätte. Ausgerüstet mit einem Kamineinsatz und einer großen Scheibe gibt er einen tollen Blick auf das Feuer frei und bietet einen Nutzungsgrad bis zu 70 Prozent. Außer Konvektionswärme kann bei entsprechender Gestaltung des Kamins, zum Beispiel mit Kacheln, zusätzliche Strahlungswärme gewonnen werden. Im Prinzip erwärmt der Heizkamin aber erst einmal nur über die Raumluft, die über Gitter wieder erwärmt austritt. Der Raum wird dabei schon nach kurzer Zeit warm, eine längere Speicherung der Wärme ist nicht gegeben. Heizkamine werden mit einer Vielzahl von Gestaltungs- und Verkleidungsmöglichkeiten angeboten. Verputzt. geschlämmt, verkachelt, Kaminverkleidungen aus Chrom oder Edelstahl, da gibt es alles, was das Herz begehrt. Ein Heizkamin kann auch – wenn die baulichen Gegebenheiten vorhanden sind – direkt in die Wand eingebaut werden.

Heizkamin mit großer Sichtscheibe und außergewöhnlichen Kachelformen. Kaufmann

Kaminöfen

Neben den fest vor Ort aufgebauten Ofenanlagen spielen Kaminöfen eine große Rolle. Diese sind variabel und auch transportabel und als Fertigprodukt auch schnell aufgestellt und angeschlossen. Die Öfen gibt es in einer Vielzahl von Größen, Formen und Gehäusematerialien. Oft werden diese kombiniert, etwa Stahlgehäuse mit Teilen aus Keramik oder Speckstein. Auch werden sie vielfach durch Speichermassen ergänzt, die im Gehäuse untergebracht werden, oder selbst das Gehäuse bilden. Das kann soweit gehen, dass eine Masse von einigen Hundert Kilogramm erreicht wird und ein Speicherofen mit ähnlicher Betriebsweise wie der Grundofen entsteht.

Für den interessierten Kunden ist es nicht immer nachvollziehbar welche Vorteile ein Gerät für 3000 Euro gegenüber einem Gerät für 400 Euro aus dem Baumarkt oder dem Internet bietet. Deshalb sollte man als Kunde beim Kauf eines Kaminofens auf die Qualitätsmerkmale achten, die vorhanden sind.

Eine bekannte Marke auf einem Kaminofen bürgt in den meisten Fällen für gute Qualität und sichert eine langjährige Nutzung. Angefangen von einem flächendeckenden Servicenetz bis hin zur garantierter Ersatzteilversorgung für mindestens 10 Jahre. Auch wird bei billigen Geräten häufig möglichst dünnwandiger Stahl verarbeitet, um Materialkosten zu sparen. Dies birgt die Gefahr, dass sich die Geräte bei längerem Gebrauch verziehen, bauchig werden, die Schweißnähte aufreißen oder die Türen nicht mehr sauber schließen.

Kaminofen „Novia“ für gemütliche Stunden vor dem Feuer. Leda

Pelletofen

Der Pelletofen hat ein besonders großes Spektrum an unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten. Die Bandbreite reicht vom einfachen Zimmerofen bis hin zur vollwertigen Heizung mit Warmwasseraufbereitung. Viele Pelletöfen werden manuell beladen und bedient, andere bieten mit vollelektronischer Regelung, Zeitschaltung und automatischer Pelletzufuhr den gleichen Komfort wie klassische Zentralheizungssysteme für fossile Brennstoffe. Manche Pelletöfen lassen sich übrigens alternativ mit Scheitholz befeuern. Das bedeutet mehr Freiheit in der Brennstoffwahl und erlaubt unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten. Zur täglichen Heizung die komfortablen Holzpresslinge und fürs gemütliche knisternde Feierabendfeuer die großen selbst geschlagenen Buchenscheite.

Öfen und Kamine werden häufig als Ergänzung zur Zentralheizung angeschafft. Neben dem spannenden Flammenspiel bieten sie mit dem Brennstoff Holz oder Pellets eine umweltfreundliche Alternative der häuslichen Wärmegewinnung und ein Stück Versorgungssicherheit. Und ist ein Ofen mit Wassertechnik ausgestattet, dessen Wärme abgezweigt wird, ist eine mögliche Überhitzung des Aufstellraums nicht gegeben – was gerade in modernen Niedrigenergiehäusern mit ihrem geringen Heizwärmebedarf ein Problem sein kann.

Bildergalerie:

Kaminofen „Arona“ mit selbstschließender und verriegelnder Feuerraumtür. Kleining
Speicherofen, der lange heizt, mit Kachelware in der Farbe „Indiansummer“. Seyffarth
Der wasserführende Kaminofen „Arena Plus“, präsentiert sich in edlem Design. Oranier
Pelletofen „Brian“, mit angebauten Regalen, die variabel zu verändern sind. Palazzetti
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