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Kachelöfen in vielen Variationen

17.01.2017

Kachelofen. Foto: Kaufmann

Spiel mit Kacheln: hier eine ausgefeilte Lösung mit lamellenartig gestalteten weißen Kacheln. Foto: Kaufmann

Der Unterschied bei Kachelöfen steckt in der Technik. Und diese wird danach gewählt, was Sie von Ihrem Ofen erwarten. Wollen Sie Wärme für den ganzen Tag oder lieber schnelle Wärme? Eine Möglichkeit ist der Grundofen. Er ist mit seinem dicken Kachelmantel in der Lage, Wärme bis zu 20 Stunden zu erzeugen und auch zu halten. Aber hier ist nichts mit schneller Wärme, denn der relativ träge Grundofen – die Aufheizzeit beträgt immerhin etwa zwei bis vier Stunden – kann nur über die Menge des verheizten Brennstoffes reguliert werden. Man unterscheidet je nach Stärke der Ofenuntermauerung zwischen leichter, mittlerer oder schwerer Bauweise. Grundsätzlich gilt: Je dünner die Ummauerung, desto kürzer die Aufheizzeit, desto geringer also auch die Speicherkapazität des Ofens. Ein leichter Grundofen braucht mehrmals, ein schwerer dagegen nur einmal am Tag Brennstoff.

Die Ofenwände speichern die Wärme und geben sie zeitverzögert als Strahlungswärme an den Raum ab. Außer Strahlungswärme erzeugt der Grundofen auch Konvektionswärme. Luft erwärmt sich an den großflächigen Kachelwänden und steigt nach oben, kühlere Luft nachziehend. Beliebig drauflos zu feuern ist beim Grundofen nicht anzuraten. Ist nämlich die maximale Oberflächentemperatur erreicht, geht die überschüssige Wärme einfach zum Schornstein raus. Der Grundofen ist also für diejenigen geeignet, die eine Dauerheizung bevorzugen. Denkbar ist beim Grundofen auch der Bau durch die Wand, sodass gleichzeitig zwei Räume beheizt werden können. Dies setzt aber genügend Heizleistung für zwei Räume voraus. Hierbei steht Ihnen der Ofen- und Luftheizungsbauer mit Rat und Tat zur Seite.

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Mit allen Sinnen im hier und jetzt – am Kachelofen

Zur bewussten Stressbewältigung kann ein echtes Holzfeuer im Ofen sehr gut beitragen. Es spricht viele Sinne an: das Flackern, Knistern, das warme Licht und nicht zuletzt die entspannende Wärmestrahlung, die abgegeben wird, lässt einen schnell „runterkommen“ und den Alltag vergessen. Die langwellige Strahlung eines Kachelofens wirkt bis tief unter die Haut und entspannt die Muskulatur. Ein Prinzip, das man von der Sonnenstrahlung kennt. Diese Art der Wärme kann die Durchblutung fördern und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren. Auch bei Krämpfen und Schmerzen kann sich dies lindernd auswirken, weil die Spannung im Muskelgewebe herabgesetzt wird.

Positive Effekte zeigen sich nicht nur auf der körperlichen Ebene. Oft ist es der menschliche Geist, der nicht richtig abschalten kann, das Gedankenkarussell läuft bei Stress meist unbewusst kontinuierlich weiter. Für viele ist es deshalb eine Art der Meditation, einfach längere Zeit ins Feuer schauen und das Spiel der Flammen zu beobachten. Auch das Anheizen oder Holznachlegen kann entspannend sein. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Kachelofenbesitzer allgemein wohler fühlen als Menschen ohne Kachelofen, wie Studien gezeigt haben. Messversuche österreichischer Forschungsinstitute ergaben, dass die Kachelofenwärme sowohl die psychische Entspannung als auch die Belastbarkeit des Menschen fördert.

Kachelofen mit Sitzbank. Foto: Zehendner

Farbenfroh präsentiert sich dieser Kachelofen mit angebauter Sitzbank. Foto: Zehendner

Warmluftofen für schnelle Wärme

Der Kollege des Grundofens, der Warmluftofen, erzeugt die Wärme – wie der Name schon sagt – über die Raumluft, die als unmittelbarer Wärmeträger genutzt wird. Je nach Ausführung variiert die Konvektionswärme von etwa 60 bis 70 Prozent Konvektion und 30 bis 40 Prozent Strahlungswärme. Der Ofen besteht aus einem Gussheizeinsatz und einem Nachheizkasten aus Stahlblech oder Gusseisen, auch keramische Nachheizflächen werden eingesetzt. Diese erhöhen den Strahlungsanteil und die Dauer der Wärmeabgabe. Unter dem Ofensockel tritt Raumluft zwischen Heizeinsatz und Kachelwände, erwärmt sich an dem heißen Heizeinsatz und/oder am Nachheizkasten und steigt dann empor. Bei diesem Vorgang erwärmen sich auch die Kachelwände, die wiederum Strahlungswärme abgeben.

Warmluftofen. Foto: Gutbrod

Like Cappuccino: Dieser Warmluftofen glänzt im sprichwörtlichen Sinn durch seine Kacheln. Foto: Gutbrod

Warmluftkachelöfen können zwar Wärme nicht so gut speichern, sind dafür aber schnell warm. Außerdem lässt sich die Speicherfähigkeit steigern, wenn statt eines Nachheizkastens keramische Heizgaszüge eingebaut werden. Da der Warmluftkachelofen größtenteils Konvektionswärme erzeugt, sollte darauf geachtet werden, dass es nicht zu unnötiger Staubaufwirbelung kommt. Deshalb sind die Heizkammer und die Warmluftkanäle regelmäßig zu reinigen.

Wer nun glaubt, beim Kachelofen gäbe es den Blick aufs Feuer nicht, der täuscht sich. Hier gibt es den Kombi-Kachelofen, der die Vorteile des Warmluftkachelofens mit denen des Grundkachelofens vereint. Das heißt: schnelle Wärmeabgabe und eine hohe Wärmespeicherfähigkeit durch gemauerte keramische Heizgaszüge. Nach dem Aufheizen erzeugt er über die metallische Fläche schnell Warmluft (40 Prozent Konvektionswärme) und über die keramische Nachheizfläche gibt er 60 Prozent angenehme Strahlungswärme an seine Umgebung ab.

Hypokaustenanlage im Vorfeld planen

Wenn Sie die Vorzüge des Warmluftofens mit der des Grundofens miteinander verbinden wollen, sind Sie mit einer Hypokaustenheizung richtig. Kern einer solchen Anlage ist ein doppelschaliger Ofen mit Heizeinsatz und Nachheizkasten. Die sich im Heizeinsatz erwärmende Luft strömt nach oben und gibt die absorbierte Energie im Hypokaustensystem an die Außenhaut weiter ab. Dadurch abgekühlt sinkt die Luft nach unten und strömt wieder zum Heizeinsatz zurück. Der ganze Vorgang spielt sich in einem geschlossenen System ab, die Warmluft erwärmt so auch große Ofen- beziehungsweise Wandoberflächen. Die Hypokaustenheizung sollte aber wegen ihrer aufwendigen Bauweise bereits bei der Gebäudeplanung berücksichtigt werden. Eine Sonderform unter den Kachelöfen stellen zweifelsohne die Überschlagöfen dar. Diese werden an einem Lattengestell in einer Töpferwerkstatt modelliert. Wenn der Ton dann lederhart ist, wird die Fläche in einzelne Kacheln geschnitten, die danach gebrannt und hinterher zu einem Kachelofen zusammengebaut werden.

Reduzierter Wärmebedarf

Gut gedämmte Häuser wie KfW-Effizienzhäuser, Passivhäuser oder Nullenergiehäuser brauchen immer weniger Energie für Heizung und Warmwasser. Für den reduzierten Wärmebedarf bietet sich eine intelligente Kombination aus regenerativen Energien an. Wer zum Beispiel im Neubau (mehr als 50 Quadratmeter Wohnfläche) solare Strahlungswärme nutzt, mit der laut Erneuerbare-Energien-Wärme-gesetz (EEWärmeG) mindestens 15 Prozent des Wärmeenergiebedarfs des Gebäudes gedeckt werden müssen, kann die Solarthermieanlage auf dem Dach gut mit einer Holzfeuerung kombinieren. So entsteht ein Energiemix für eine regenerative Energieversorgung mit hoher Flexibilität und Zukunftssicherheit.

Grundofen. Foto: Gutbrod

Grundofen in klassischer Form mit Sichtfenster. Foto: Gutbrod       

Ein Kachelofen, der auf den reduzierten Wärmebedarf abgestimmt ist und der über einen integrierten Wasserwärmetauscher verfügt, bringt hocheffizienten Wärmekomfort ins Haus. Der Ofen kann einen Teil seiner Wärmeenergie in einen zentralen Pufferspeicher speisen, an den auch andere (regenerative) Wärmeerzeuger angeschlossen sind, beispielsweise die solarthermische Anlage auf dem Dach. Dieses sogenannte Hybridsystem mit automatischer Steuerung ermöglicht, dass die jeweils umweltfreundlichste und sparsamste Energieform zur Warmwasser- und Heizungsversorgung genutzt wird. Eine vom Fachmann richtig dimensionierte und intelligent vernetzte Anlage kann die gesamte Wärmeversorgung decken.

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(aus der Zeitschrift: Kamine & Kachelöfen 2016)

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