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Handgefertigte Kachelherstellung aus Keramik

16.08.2018

Der Wunsch nach Individualität und Einzigartigkeit scheint heute das Maß aller Dinge. Dieser Trend ist auch beim Wohnambiente zu erkennen. Wer seinen Stil lebt, ist in. Auch Kachelöfen und Heizkamine 
sollen keine Massenware sein, sondern möglichst Unikate. Vor allem handgefertigte Keramik aus traditionellen Manufakturen macht sie zu solchen Einzelstücken, denn Handarbeit garantiert ihre Einmaligkeit.

Kachelherstellung.

Neben der Exklusivität bieten Ofenkacheln aber auch handfeste, praktische Vorteile. Sie speichern die bei der Verbrennung des Heizmaterials aufgenommene Wärme und geben diese langsam und gleichmäßig in Form von angenehmer, gesunder Strahlungswärme ab. Die Wärme eines gekachelten Ofens wird vom menschlichen Körper wie ein wohltuendes Sonnenbad empfunden. Außerdem ist Keramik leicht zu pflegen. Staub und Schmutz kann einfach mit einem feuchten Tuch abgewischt werden.

Ein weiterer Vorteil der Kacheln ist ihre Vielfalt in Farbe, Form und Oberflächenstruktur: Die Keramik wird in unzähligen Varianten angeboten, passend zu jedem Wohn- und Einrichtungsstil und natürlich ganz nach Wunsch des Kunden. Besonders großformatige Kacheln liegen im Trend. Sie greifen den modernen Zeitgeist der puristischen Raumgestaltung auf und ergänzen große verputzte Flächen ideal.

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Werfen Sie aber jetzt einen Blick hinter die Kulissen der Kachelherstellung in einer traditionsreichen Keramikmanufaktur aus der Oberpfalz.

Kachelherstellung in einer Keramikmanufraktur

1. Zunächst stellt der Keramikmodelleur sogenannte Mutterformen aus Gips oder Kunststoff her. Diese Modelle sind die Grundlage für jede Kachelherstellung, die in einer Keramikmanufaktur entsteht. Sie sind das Herz einer Ofenkachelfabrik, beziehungsweise der Grundstock und die Wertanlage der Manufaktur. Die Vielfalt solcher Urmodelle garantiert Abwechslung in Form, Größe und Struktur bei der Keramikproduktion.

Kachelherstellung.

2. Vom Urmodell wird die Arbeitsform bei der Kachelherstellung für die Fertigung der Rohlinge abgegossen. Die Arbeitsform besteht aus Formengips und kann zirka 40 Mal verwendet werden, dann muss man sie erneuern. Gleichzeitig bereitet der Keramikmeister den Gießschlicker vor. Dazu werden Ton, Schamotte und Wasser gemischt. Der daraus entstandene flüssige Ton, genannt Schlicker, wird in der Gießerei in Vorratsbehältern bereitgestellt. Für die Handformerei entsteht in einem separaten Mischgang mit weniger Wasser eine plastische Tonmasse für besondere individuelle Formwünsche, die einzeln per Hand verwirklicht werden.

3. Jetzt wird der Gießschlicker in die Arbeitsformen gefüllt. Indem die trockene Gießform dem Schlicker Wasser entzieht, bildet sich innerhalb von drei bis 12 Stunden (je nach Größe und Stärke der Teile) ein fester Kern in der Form. Dabei verfestigt sich der Schlicker nur so weit, dass er vor dem Trocknen noch abschließend bearbeitet werden kann. Die Arbeitsformen liegen in platzsparenden Eisenregalen.

Kachelherstellung.

4. Die Rohlinge müssen anschließend fürs Trocknen vorbereitet werden. Die Kanten werden geglättet, Gießnähte verputzt, Oberflächen gereinigt und nachbearbeitet. Die Keramik ist in diesem Stadium noch relativ weich und formbar.Jetzt können auch kreative Sonderwünsche der Kunden berücksichtigt werden. Der Handformer verleiht der Keramik individuelle Formen und Oberflächen, er fertigt alles, was von der Norm abweicht.

5. Nach dem Trocknen der Kacheln (zirka 24 Stunden bei 80 Grad Celsius) wird die Glasur aufgebracht. In den meisten Fällen benutzt man dazu heute eine Becherspritzpistole (Foto). Nur bei bestimmten Glasuren beziehungsweise auf Wunsch der Kunden wird das Verfahren „Handschütten” angewandt. Bei gespritzten Glasuren ist der Glasurverlauf einheitlicher als beim „Handschütten”. Aber auch bei gespritzten Glasuren ist die Einzigartigkeit in Helligkeit und Farbtönung durch die reine Handarbeit gewährleistet.

Kachelherstellung.

6. Die roh glasierten Ofenkacheln werden je nach Brennprogramm (Temperatur) auf den jeweiligen Herdwagen gesetzt. Die Herdwagen werden in die Öfen geschoben und die Keramik wird bei zirka 1040 Grad Celsius bis 1070 Grad Celsius gebrannt.

7. Weitere Sonderwünsche können durch Malereien nach dem Glasurbrand verwirklicht werden. So entstehen bei der Kachelherstellung absolute Unikate.

8. Nach dem Brennen werden die Ofenkacheln auf ihre Qualität kontrolliert, bevor sie zum Versand kommen und danach vom Ofen- und Luftheizungsbauer in Ihrem Zuhause zu einem wunderschönen Heizobjekt zusammengebaut werden.

Kachelherstellung.

 

Text und Fotos: Hagos/Zehendner

(aus der Zeitschrift: Kamine & Kachelöfen 2017)

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